Im März 1999 zeigten mehrere Veranstalter in Saarbrücken die bundesweit stark beachtete
Ausstellung "Vernichtungskrieg - Verbrechen der Wehrmacht". In fast jeder Stadt, in der die
Ausstellung gezeigt wurde, kam es zu Protestveranstaltungen der rechten Szene gegen die
Aussagen der Ausstellung.


In Saarbrücken eskalierte dieser Protest zum Terror.


Am 9. März 1999 wurde auf die Ausstellung ein bis heute nicht aufgeklärter Bombenanschlag verübt.
Der Täterkreis konnte eindeutig dem rechtsextremen Umfeld zugeordnet werden.
Der Referent zieht ein Resumee aus heutiger Sicht.


Zu Fragen der heutigen lokalen rechten Szene steht zudem ein
Referent des Vereins "crithink e.V." am Abend zur Beantwortung
von Fragen bereit.




Eine Veranstaltung der
Heinrich Böll Stiftung
und der
Stiftung Demokratie Saar






 Hannes Heer war von 1993 bis 2000
wissenschaftlicher Mitarbeiter am
Hamburger Institut für Sozialforschung
und leitete dort die Ausstellung
"Vernichtungskrieg - Verbrechen der Wehrmacht".
1997 erhielt Hannes Heer für seine
Verdienste die Carl von Ossietzky Medaille. 








Saarbrücker Zeitung, erschienen am 09.03.2009:
 





Etwa 250 000 Euro Schaden verursachten die Täter. Foto: dpa
 

Bombenanschlag bleibt ungesühnt

Vor zehn Jahren: Attentat auf Wehrmachtsausstellung am Saarbrücker Schloss

Vor genau zehn Jahren ist am Saarbrücker VHS-Zentrum eine Bombe explodiert. Zu diesem Zeitpunkt machte dort die umstrittene Wehrmachtsausstellung Station. Bis heute fehlt von den Tätern jede Spur.

Von SZ-Redakteurin 

Ulrike Paulmann

Saarbrücken. Es war etwa 4.40 Uhr, als ein lauter Knall die Bürger in Alt-Saarbrücken aus dem Schlaf riss. Am 9. März 1999, also exakt vor zehn Jahren, erschütterte eine Explosion die Nacht. Unbekannte hatten eine Bombe am Volkshochschul-Zentrum neben dem Schloss gezündet. Dort wurde die damals heftig diskutierte Wanderausstellung „Vernichtungskrieg – Verbrechen der Wehrmacht 1941 – 1944“ des Hamburger Instituts für Sozialforschung gezeigt.

Die Ermittler vermuteten die Täter im rechtsextremen Umfeld. Mehr ist auch heute nicht bekannt. Trotz Sonderkommission, trotz umfangreicher Ermittlungen. Staatsanwalt Bernd Meiners (44) erklärte jetzt gegenüber der SZ: „Die Tat wurde nie aufgeklärt.“ Wenn sich neue Hinweise ergäben, würden die momentan ruhenden Ermittlungen wieder aufgenommen. Meiners: „Es gilt eine Verjährungsfrist von 20 Jahren ab Tatbegehung.“ Sollten die Täter noch gefasst werden, müssten sie sich des Straftatbestandes „Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion“ verantworten. Strafrahmen: ein bis 15 Jahre.

Wie durch ein Wunder kamen keine Menschen zu Schaden. Doch die Wucht der Explosion hatte andere heftige Folgen: Beschädigt wurden nicht nur Gebäudeteile des VHS-Zentrums und einige Exponate. Auch wertvolle bleiverglaste Fenster der Schlosskirche fielen dem Anschlag zum Opfer.

Die Ausstellung öffnete nur wenige Tage nach dem Anschlag wieder – unter strengen Sicherheitsvorkehrungen.

Unter dem Motto „Zehn Jahre danach“ spricht am Donnerstag, 19. März, 19 Uhr, Hannes Heer auf Einladung der Heinrich-Böll-Stiftung Saar im N.N. Nauwieser Neunzehn, Kulur- und Werkhof, Nauwieserstraße 19 in Saarbrücken, unter anderem über die Proteste der rechten Szene gegen die Aussagen der Ausstellung.