Veranstaltungsreihe

Conte-Premieren im N.N.

29. September  - 20.00 Uhr


Marion Reichert
Eisenhans’ Tochter




Deutschland 1963. Sara wächst in der Zeit des Wirtschaftswunders mit seiner boomenden Stahlindustrie, mit seinen Hochöfen und rußenden Schloten auf. Die Großfamilie, allen voran Großmutter und Großvater – der König genannt – kümmern sich um sie. Ihre Mutter ist mehr mit sich selbst, mit ihrer unglücklichen Ehe und existentiellen Problemen beschäftigt. Ein Umzug reißt Sara aus dem bezaubernden Reich ihrer Kindheit in einen kleinen Ort an der unteren Saar, in eine aus dem Boden gestampfte Siedlung ohne Vergangenheit, in ein Niemandsland, direkt an der Grenze zur »Grande Nation«. Sie findet neue Freunde, reale und erfundene. Mit deren Hilfe schafft sie es, im für sie gar nicht so wunderbaren Wirtschaftswunderland zu bestehen. Sara gibt der Welt mit ihrer Phantasie einen neuen Sinn; nur so kann sie die immer wiederkehrenden Umzüge, den Umgang mit alten Nazis und Geschichten über Inzest in ihrer Kindheit überleben.

Marion Reichert hat ein Märchen für Erwachsene geschaffen, in dem Magie und Realität ganz nah beieinander liegen. Die verstaubte Wirklichkeit ist nur durch einen dünnen Schleier von den Phantasien einer Heranwachsenden getrennt. Begleitet von exzentrischen Charakteren, die ihr dabei helfen, ihren Weg zu finden, entdeckt Sara, dass Wunder noch möglich sind.

Eisenhans’ Tochter ist außerdem ein Buch über den Wandel der Saarregion: Das ländliche Paradies aus Saras Kindheit wird in ihrer Jugend zu einem kalten Neubaugebiet und einer ihrer Wegbegleiter, ein Brauereigaul, soll durch Lastwagen wegrationalisiert und zum Pferdemetzger gebracht werden.

Marion Reichert, geboren 1957, lebt in Lörrach. Sie ist u. a. Co-Autorin des Tatorts Allein in der Falle und des Kinofilms Das Verhör des Harry Wind, der mit Klaus Maria Brandauer und Sebastian Koch verfilmt wurde. Eisenhans’ Tochter ist ihr Debutroman.
Weitere Termine:

27. Oktober: Marcus Imbsweiler   Der dicke Fisch von Wolckenstein

17. November: Reinhard Febel   Giftiger Fisch

8. Dezember: Heipe Weiss   Fuchstanz



jeweils dienstags
um 20.00 Uhr
Eintritt frei

Eine Veranstaltungsreihe von: